Wissenswertes über die Kirchen



St. Petrus und Jakobus Maior in Nendingen



Wann der schon im 9. Jahrhundert bekannte Ort Nendingen eine Kirche und eine Pfarrei erhalten hat, ist nicht zu ermitteln. Der liber decimationis erwähnt den ersten Pfarrer 1239. Weitere Daten weisen darauf hin, dass in Nendingen schon früh eine Kirche stand: 1479 wird ein ewiger Jahrtag gestiftet, 1534 erwirbt man in Talheim den Hochaltar für die Nendinger Kirche, 1682 wird beim Bau des Kirchturms der untere Teil belassen. Aus diesem Jahr stammt auch das im Jahr 2001 restaurierte Turmkreuz, wie eine in der Turmkugel aufgefundene Urkunde belegt.
Die jetzige Kirche wurde in den Jahren 1754/55 erbaut, wobei der untere Teil des Turms der früheren Kirche erhalten blieb. Die Patrone St. Petrus und St. Jakobus der Ältere (Maior) sind urkundlich erstmals im Jahr 1736 erwähnt und wurden von der Vorgängerkirche übernommen. 
Erneuerungen am Inneren und Äußeren des Kirchengebäudes fanden in den Jahren 1881, 1902/03 bei der Donauverlegung, 1933/34 und von 1972 bis 1975, 1994/95 und 2001 statt. 
Die ansehnliche Kirche mit dem schlanken, das Ortsbild prägenden Turm (1863 erhöht) zeigt barocken Baustil mit Anklängen an das Rokoko, das Glockenhaus und der Turmaufsatz ist der Neugotik/romanik zuzuordnen.
Im Innern findet sich eine reiche Ausstattung aus verschiedenen Stilrichtungen. Jüngste Ausstattungsstücke sind der von Wendelin Matt, Trossingen, im Jahre 1994 geschaffene Zelebrationsaltar mit Ambo. 
Der Villinger Maler Joseph Ignaz Schilling richtete 1759 die Altäre ein und malte sie aus. Die Skulpturen stammen vom Barockbildhauer Franz Korb, Mühlheim beachtenswert ist vor allem das Ensemble der Taufe Jesu im Jordan, das Vortragekreuz und der in der Osterzeit zu sehende Auferstehungschristus.
Von schlichter Schönheit sind die beiden Barockfiguren Maria und Josef auf den Seitenaltären. Das Deckengemälde "Die Einführung der Bruderschaft vom Allerheiligsten Altarsakrament durch den Bischof von Konstanz" malte 1933/34 August Braun aus Wangen. Das Deckenbild im Chor, "Huldigung der katholischen Jugend vor Christus", fertigte zu gleicher Zeit sein Neffe. 
Der um 1880 neu gefasste Hochaltar (Das Orginalbild, Abendmahl Jesu von Ignaz Schilling, hängt im Gemeindesaal) zeigt eine Kreuzigungsgruppe und darüber das Bild "Das Opfer des Melchisedech" mit der Darbringung von Brot und Wein. Die beiden Figuren im Chor, die hl. Verena und die hl. Margaretha, sind der Spätgotik zuzuordnen. 
Das Altarblatt des Marienaltars hat die Aufnahme Mariens in den Himmel zum Thema, darüber Joseph mit der Lilie. Wie bei der Darstellung der gekrönten Maria mit dem Kind handelt es sich hier um Werke aus der Barockzeit. Am rechten Seitenaltar ist das Martyrium der hl. Agatha dargestellt, ebenfalls dem Barock entstammend. 
Die Pieta in der vorderen, linken Wandnische der Kirche ist ein Werk des aus Nendingen stammenden Bildhauers Berchtold und wurde am Ende des 19. Jh. geschaffen. 
Die beiden Figuren an der Schiffswand, nochmals eine hl. Verena und eine Anna Selbdritt, sind barock, ebenso die imposante Kreuzigungsgruppe an der gegenüberliegenden Schiffswand. Vermutlich stammen diese Figuren von der abgebrochenen Wallfahrtskirche Maria Hilf auf dem Welschenberg bei Mühlheim. Gute Volkskunst zeigen die Gipsreliefs der zwölf Apostel, die an den Wänden verteilt sind (1756). Die Medaillons am Chorbogen, die hl. Elisabeth und den hl. Konrad darstellend, fertigte in den 30er Jahren der Bildhauer Alfred Tönnes aus Sigmaringen.
Die Orgel aus dem Jahre 1952 ist ein Werk der Firma Späth Ennetach.
Im Turm hängen vier Glocken. Die tiefste ist die Chrisusglocke (c' 1945 kg), die zweite die Wetterglocke ( e' 1000kg), die dritte die Marienglocke (g' 689 kg), die vierte die Pertrus- und Jakobusglocke (a' 463 kg). Die wertvollste von den vier Glocken ist die aus dem Jahre 1712 stammende Wetterglocke. Sie hat alle Stürme der Zeit überstanden und wurde bei Rosenlecher in Konstanz gegossen. Die übrigen drei Glocken wurden 1955 von F. X. Schilling in Heidelberg gegossen.
Außerhalb der Kirche, an der Südwestecke, schuf Professor Weiß aus Nürnberg im Jahre 1886 einen Ölberg mit lebensgroßen Figuren. Das Werk geht auf eine Stiftung zurück. Rechts vom Kirchenportal steht eine Statue des hl. Nepomuk, die daran erinnert, daß hier einmal eine Donaubrücke über den Fluß führte. Das stattliche Pfarrhaus ist ein Bau aus dem Jahre 1760. Baumeister war Gregorius Flaig aus Villingen. Zuletzt wurde es im Jahre 1979 restauriert und erhielt im Jahr 2001 einen neuen Fassadenanstrich.

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St. Gallus, Tuttlingen



Der Grundstein zur ersten katholischen Kirche in Tuttlingen seit der Reformation wurde am 20. Juni 1869 gelegt. Auf Grund der Finanzknappheit der Gemeinde in der Diasporasituation konnte der Bau nur langsam voranschreiten. Am 7. September 1872 wurde die Kirche benefiziert. Zu diesem Zeitpunkt war der Chor und das Schiff fertiggestellt, der Turm und große Teile der Innenausstattung fehlten noch. Die Kirche wurde von Oberbaurat Georg von Morlok, Stuttgart, als dreischiffige Basilika im neugotischen Stil geplant. Morlok, der später Regierungsbaudirektor und Landtagsabgeordneter war, gehörte zu den renommierten Architeken seiner Zeit im Königreich Württemberg. Erst am 17. Juni 1883 konnte Bischof Carl-Josef Hefele die St.?Gallus?Kirche endgültig konsekrieren. Nachdem St. Gallus 1873 schon Stadtpfarrverweserei geworden war erfolgte die Errichtung der Stadtpfarrei im Jahre 1889.
Die Zunahme der Katholiken in Tuttlingen verlangte die Schaffung von weiterem Kirchenraum. Strittig war die Frage ob eine weitere Kirche gebaut werden sollte, oder ob die Galluskirche vergrößert wird. Trotz verschiedener Anläufe und einem vorhandenen Bauplatz wurde der Bau einer zweiten Katholischen Kirche in Tuttlingen vor dem Krieg nicht realisiert.
Stadtpfarrer Lutz war der Promotor eines Umbaus und der Vergrößerung der Galluskirche. Trotz der widrigen Umstände, das III. Reich hatte begonnen, gelang ihm das Vorhaben.
Der vom Stuttgarter Architekten Otto Linder, einem der bedeutensten Kirchenarchiteken des 20. Jh. geplante Umbau kennzeichnet bis heute die Galluskirche.
Nur der Turm, der frühere Chor, dessen Gewölbe und Malerei erhalten ist, und die äußeren Seitenmauern der Kirche blieben stehen. Die Fenster und die Spitzbögen zu den Seitengängen erhielten eine weichere Ausführung. Der 14 m hohe Chorraum, das bestimmende Bauelement der Kirche, sollte vor allem durch seine Ausgestaltung wirken. Paul Hirt, Villingen, malte in Fresko?Sgraffito das Altarbild mit Apostelgestalten und das Bild des Heiligen Erzengels Michael mit den Heiligen Bonifatius und Gallus auf der rechten Seite hinter dem Taufstein; den gewaltigen, vergoldeten Christus?Corpus für das Kreuz (5,60 m) schuf Georg Lesehr aus Biberach/Riß. Emil Sutor, Karlsruhe, fertigte die Kreuzwegstationen und die Medallions der 4 Evangelisten, außerdem ein Relief der Schutzmantelmadonna in der Marienkapelle. 
Die beiden Ölgemälde in der Marienkapelle, "Maria in der Freude" und "Maria im Leid", malte Schwester Innocentia Maria Hummel, Kloster Sießen im Jahr 1940. Diese beiden Bilder sind das religiöse Hauptwerk der früh verstorbenen Künstlerin.
Die Glasfenster, alle von V. Saile, Stuttgart, entworfen und gefertigt zeigen auf der Nordseite die sieben Gaben des Heiligen Geistes, auf der Südseite die sieben Sakramente der Kirche. In der Marienkapelle ist die Verkündigungsszene (Lk 1, 26 ff.) im Fenster gestaltet. 
Unterhalb des Chores, das leicht abfallende Gelände nutzend, plante Linder eine Unterkirche ein. 1965 wurde im Zuge der Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils der Altarraum erneuert. Den Altar in römischem Travertin stellte Siegfried Haas, Rottweil, her. 
Der Tabernakel auf einer Stele an der Stelle des alten Hochaltars stammt aus der Lagerkirche Mühlau (ehemaliges Kriegsgefangenenlager in Tuttlingen). Die in Metall getriebene Emmausszene an der Verkleidung der Tabernakeltüre ist ein Werk von Carolus Vocke, Kriegsgefangener im Lager Mühlau. Weitere Arbeiten von Georg Lesehr sind eine Madonna mit Kind an der linken Chorwand und ein Auferstehungs?Christus. Die Pieta im Kirchenschiff hinten stammt aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Eine neue Holzdecke, 1981 nach einem Plan von Architekt Alfons Krauß, Tuttlingen, ausgeführt, wertet den Raum optisch und akustisch auf. Die Bronzetüren an den Eingängen wurden 1979 nach Entwürfen von Bildhauer Franz Bucher geschaffen. 
Im Jahr 1996 wurde die Kirche einer umfassenden Innenrenovation unterzogen. Neben technischen Verbesserungen (Heizung, Elektrik) wurde der Taufstein mit Bronzegussabdeckung die den Propheten Jona darstellt, der Ambo, die Tabernakelstele und der im Bronzeguss gefertigte Osterkerzleuchter und Priestersitzambo vom Künstler Siegfried Haas geschaffen. Neu gestaltet wurden der Fußboden, die Sedilien, die Farbgebung der Bänke und die Beichtkapelle, im alten Chorraum unter der Orgelempore.
Die Orgel der Kirche wurde im Jahr 1961 von der Firma Rieger, Schwarzach/Voralberg, gebaut. Das Instrument hat 3 Manuale und 44 Register.
Das Geläut der Kirche besteht aus vier Glocken. Die tontiefste ist die Gallusglocke (e' 1175 kg) gefolgt von der Marienglocke (g' 845 kg), der Martinsglocke (a' 470 kg) und der Paulusglocke (c'' 275 kg). Außer der Marienglocke wurden die Glocken im Jahr 1955 in Heilbronn bei der Firma Alfred Bachert gegossen. Die Marienglocke stammt aus Märzdorf a. d. Bober. Durch die Kriegswirren kam sie nach Tuttlingen. Diese Glocke ist die wertvollste im Geläut da sie am Ende des 15 Jahrhunderts gegossen wurde.

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Maria Königin

  

Durch das rasante Wachstum der Stadt Tuttlingen erhöhte sich die Zahl der Katholiken in den Nachkriegsjahren erheblich. Es war vor allem Dekan Alfred Barth, der den Neubau einer zweiten Katholischen Kirche in Tuttlingen betrieb. Nach komplizierten Kauf- und Tauschaktionen war der Bauplatz an der Ecke Kreuz-, Berg- und Freiburgstr. im Westteil der Stadt gefunden. 1957 wurde ein Kirchenbauverein gegründet, 1958 in Wettbewerb ausgeschrieben. Der Plan des Architekten Franz J. Gottschlich, Tuttlingen, wurde favorisiert und verwirklicht.
1963 waren die katholische Kirche und das Gemeindezentrum Maria-Königin fertiggestellt. Äußerlich einem Block ähnelnd, erahnt man kaum die Wirkung der Innengestaltung der Kirche. Überall sieht der Betrachter Sichtbetonwände. Zu beiden Seiten des Eingangs stehen zwei Lichtwände in Fachwerkart. Vorne, dem Altar zu, stehen große Lichtwände; sie sind ohne Unterbrechung und um die Ecke bis zum Sakristeianbau fortgeführt. 
Der ganze Baublock sitzt mit dem Eingang auf dem Boden auf und wird am unteren Teil des Hanges vom Sakristeibau gestützt. Unter den mächtigen Tragbalken befinden sich die Fenster des Gemeindesaals. Wenn man die hellen Metallflügel der Eingangstüre der Kirche von Bildhauer Franz Bucher öffnet, kommt man zunächst in einen Vorraum. 
In dessen Mitte steht ein rundes Weihwasserbecken aus Stein ebenfalls von Franz Bucher. Der Kirchenraum ist als weite Halle gestaltet. Vier Betonpfeiler stützen zwei mächtige Balken, die nach vorne und nach hinten überkragen und sich dabei verjüngen. Auf ihnen liegen Querbalken, die das Dach tragen. Hinten, neben der Orgelempore, entstanden die Taufkapelle und die Seitenkapelle mit Kreuzweg. In die Felder des Betonfachwerks komponierte Emil Kiess einen Farbenkanon, der die Strenge der Architektur vergessen lässt. Die figürlichen Fensterbemalungen, Taufe und Kreuzweg darstellend, entstanden nach Entwürfen von Wilhelm Geyer, Ulm. Altäre, Taufbecken, Altarkreuz, Kanzel und Wandbilder schuf Franz Bucher, Dietingen, in Sgraffito-Technik. 
Die Bilder der Altarwand zeigen im Uhrzeigersinn die Ausgießung des Heiligen Geistes, die Verwandlung des Wassers in Wein auf der Hochzeit zu Kana, die Kreuzigung des Herrn, die apokalyptische Frau (Vision des hl. Johannes) und in der Mitte als Titelbild der Kirche die Krönung Mariä durch die Allerheiligste Dreifaltigkeit. 
Der übergeordnete Gedanke der Bilder in den Seitenwänden ist die Erlösung des Menschengeschlechts. Die Thematik stammt vom früheren Stadtpfarrer und Dekan Alfred Barth. Die linke Wand zeigt das Handeln Gottes: Gott erschafft den Menschen, Gott verheißt die Erlösung, das Opfer Abrahams, Jakobs Traum, der brennende Dornbusch, die Propheten Elias und Elisäus, Totengebeinvision des Propheten Ezechiel, Gottes Sohn wird Mensch, er wunderbare Fischfang, die wunderbare Brotvermehrung, die Verklärung auf dem Berge. 
Die Bilder der rechten Wand handeln von der Mitwirkung des Menschen; seine Erlösung ist der Lohn für menschliches Ringen: Gott erschafft den Menschen, der Turmbau zu Babel, Jakob kämpft mit dem Engel, Auszug aus Ägypten, die Zehn Gebote und das Goldene Kalb, Elias auf dem Karmel, David und Goliath, Esther und Judith, Zacharias und Maria, Mariä Reinigung, der Jesusknabe im Tempel, die Zehn Jungfrauen, die Salbung Jesu in Bethanien, die Auferweckung des Lazarus, der Glaube des Thomas.
Zur Ausschmückung der Kirche tragen ferner folgende Skulpturen bei: links vom Altar eine Muttergottes mit Kind aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, an der linken Schiffswand hinten eine Pieta aus dem Anfang des 18.Jahrhunderts und hinten am rechten Pfeiler ein Hl. Joseph mit Kind, ebenfalls aus dem Anfang des 18.Jahrhunderts.
Die 34 Register umfassende Orgel aus dem Jahre 1989 ist ein Werk der Orgelbaufirma Jehmlich, Dresden.
Die drei Glocken ( d' 1560 kg, f' 940 Kg und g' 660 kg) wurden 1963 von der Gießerei A. Bachert in Heilbronn gegossen.

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